Prof. Dr. Ernst Pöppel, Hirnforscher

Wachstumsmarkt ‚Menschengerechte Technologien’

Ingenieure gehen häufig mit einer falschen Grundeinstellung ans Werk. Wie sonst wäre es zu erklären, dass ihre Produkte – technisch höchst anspruchsvoll – viel zu oft nicht verstanden werden? Man gehe wohl davon aus, Menschen könnten sich an alles anpassen, meint der Münchner Hirnforscher Prof. Ernst Pöppel und hält dem entgegen: Entwerft menschengerechte Technologien - was 50plus nutzt, macht auch Jüngeren das Leben angenehmer!

Das von Pöppel gegründete Generation Research Program (GRP) mit Sitz in Bad Tölz soll dazu einen Beitrag leisten. Seit 5 Jahren arbeiten in diesem Institut der LMU München Wissenschaftler aus verschiedenen Nationen interdisziplinär zusammen. Inzwischen nutzen namhafte Unternehmen das einschlägige Know-how des GRP.

(Quelle: Süddeutsche Zeitung vom 21.2.06)


Marketing entdeckt die Zielgruppe 50plus

Andreas Reidl, Inhaber der A.GE - Agentur für Generationen-Marketing Nürnberg/ Bad Tölz im Video-Interview mit Vision50plus.de

Andreas Reidl gründete seine Agentur 1996 und nannte sie damals noch 'Agentur für Senioren-Marketing'. Damals passte der Name, signalsierte er doch genau Reidls Absicht, sich von herkömmlichen Werbe-Agenturen und deren Fokussierung auf die Zielgruppe der 19-49jährigen abzugrenzen. Heute beschreibt er seine Arbeit eher als Generationen übergreifend und dokumentiert dies auch im Türschild 'A.GE - Agentur für Generationen Marketing'. Seine Agentur sei ein klassischer Spezialist, ein Nischenanbieter im Dienstleistungsgewerbe, so Reidl. Er gehe „tief rein“ in die Zielgruppe 50plus, mit eigenen Marktforschungspartnern, einer Gruppe von 500 Menschen im Alter zwischen 50 und 80. Diese sogenannten Senior-Trendscouts sagten seiner Agentur genau, was ihnen gefalle oder missfalle.


Wünsche der Zielgruppe 50plus

Dabei sei es wichtig, auch innerhalb der Zielgruppe 50plus genau zu unterscheiden.

50plus ist eine sehr heterogene Zielgruppe

Und von wegen Technik-Feindlichkeit, nur eben nicht zufrieden mit einer Technik für Techniker!

Gefragt ist Bedienungskomfort


(Prof. Ernst Pöppel leitet u.a. das Generation Research Program in Bad Tölz,
Miklós Kiss verantwortete zum Zeitpunkt des Interviews mit Herrn Reidl den Forschungsbereich Mensch-Maschine-Interaktion, aktuell arbeitet Kiss bei der Volkswagen AG/ Konzernforschung)

Dass die Unternehmen die Zielgruppe 50plus auf der Rechnung haben müssen, ist für Reidl keine Frage. Bereits heute lebe in jedem zweiten bundesdeutschen Haushalt eine Person über 50. In den nächsten 20 Jahren werde sich dieses Verhältnis weiter zu den Älteren hin verschieben. Das seien Fakten, an denen niemand vorbeikomme, der die Zukunft seines Unternehmens dauerhaft sichern wolle. Dies gelte trotz der künftig höheren Anforderungen an die Eigenvorsorge.

Noch geht es vielen Rentnern gut

Armut gebe es aber auch in anderen Altersgruppen. So seien etwa unter den alleinerziehenden Frauen deutlich mehr Sozialhilfeempfänger als unter den älteren Menschen. Fühlbare Änderungen seien erst bei der Babyboomer-Generation - seiner eigenen - zu erwarten.
Erfreut stellt Reidl fest, dass die TV-Werbung so langsam den Weg zur älteren Generation findet.

Das reife Gesicht kann sehr attraktiv sein

Welchen Beitrag A.GE zum allgemeinen Bewusstseinswandel leisten kann?
Seine Agentur habe hier nur wenig Spielraum.

Bewusstseinswandel ist Anliegen der Stiftung Dialog der Generationen

Reidl ist Geschäftsführer der Stiftung Dialog der Generationen, als Präsident zeichnet der Generationssoziologe Hon. Prof. Dr. Thomas Druyen. Sir Peter Ustinov war bis zu seinem Tod Ehrenpräsident der Stiftung.


Institute of Clinical Economics (ICE) unterhält seit Januar 04 im Tölzer GRP eine Vertretung.

Die medizinisch-therapeutischen Möglichkeiten werden weiter wachsen.
Für das potenziell Machbare stehen jedoch nur begrenzte Ressourcen zur Verfügung.
Daher gewinnt die Frage nach dem tatsächlichen Nutzen für den Patienten immer mehr an Bedeutung.

Antworten werden vom neuen (Bundes-)Institut für Qualität in der Medizin erwartet. Im Umfeld dieser Behörde will auch das ICE aktiv werden.
Dieser bisher nur virtuelle Zusammenschluss von Medizinern u. Wissenschaftlern ist seit vergangenem Wochenende im GRP Bad Tölz mit einem eigenen Büro vertreten.

Dazu Prof. Ernst Pöppel:

’Vollkommen fremd finanziert‘ heißt einmal, dass sich das Institut bei Ministerien u. Stiftungen um Studien bewirbt.
Das ICE ist jedoch auch auf die Kooperation mit der Wirtschaft angewiesen.

So wurden etwa in Zusammenarbeit mit dem Pharmahersteller Lilly Deutschland zwei Förderpreise ausgelobt.

Frage an Prof. Franz Porzsolt, ICE-Administrative Office Ulm:
Gelder der Pharmaindustrie - eine Gefahr für die Unabhängigkeit des ICE?

Prof. Porzsolt

Für Prof. Porzsolt geht es nun zuerst um den Aufbau der nötigen Infrastruktur. Die entsprechenden Konzepte lägen bereits auf dem Tisch und warteten nun auf ihre Umsetzung.

Zum Beraterkreis des ICE gehören auch internationale Experten wie Dr. J.A. Muir Gray, Leiter des nationalen elektronischen Informationssystems im britischen Gesundheitswesen.
Sein Thema ist die Transparenz bezüglich aller Informationen aus dem medizinischen Bereich.

Die Verantwortlichen im britischen Gesundheitssystem gehen davon aus, dass die Patienten grundsätzlich in der Lage sind, mit Hilfe geeigneter Informationen viele ihrer Krankheiten selbst zu erkennen und auch zu therapieren oder aber die Behandlung durch den Arzt zu unterstützen.

Das von Dr. Muir Gray geleitete Informationssystem soll Zugang zu jeglichem verfügbaren Wissen schaffen.
In dringenden Fällen geben Ärzte über eine Hotline telefonische Auskünfte. Begleitet wird dieser Service von einer Enzyklopädie:

Dr. Muir Gray

Als weitere Informationsquelle steht das Nachschlagewerk Der mündige Patient zur Verfügung, das sowohl als Buch wie auch elektronisch aufbereitet ist.

In Deutschland bemüht sich das Aktionsforum Gesundheitsinformationssystem darum, aus der im Internet dargebotenen Informationsfülle Qualität auszufiltern und über eine Plattform zugänglich zu machen.