Prof. Christiane Thalgott, ehemal. Planungsref. in München

Neue Wohnformen für die 2. Lebenshälfte - wie die Stadt München vorsorgt

Video-Interview (von 2005) mit der (inzwischen: ehemal.) Münchner Stadtplanungsreferentin Prof. Christiane Thalgott

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Prof. Thalgott war als Vertreterin der Städte und Gemeinden an der Erarbeitung des zweiten Altenberichts beteiligt. Dieser Bericht erschien 1998 und bot mit seinen Expertisen zum Thema „Wohnen im Alter“ fortan die Grundlage für die öffentliche Diskussion.

Wissenschaftliche Studien hatten damals ergeben, dass sich der überwiegende Teil der älteren Bevölkerung irrtümlich in der Sicherheit wähnte, in einer „alterstauglichen“ Wohnung zu leben. Die Voraussetzungen für möglichst lebenslange Selbstständigkeit in den eigenen vier Wänden waren also äußerst ungünstig.
Thalgott sprach das Thema deshalb immer wieder an, z.B. bei ihren regelmäßigen Treffen mit den Bürgermeisterinnen der Region München. Diese Frauen wüssten um die Bedeutung des Themas, seien sie doch in der Regel über ihre frühere Verantwortung für den Bereich Soziales in ihr Amt gelangt. Bei den männlichen Politikern sei das Thema „Wohnen im Alter“ noch ebenso selten angekommen wie bei den meisten Wohnungsbauunternehmern.


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Thalgott lässt keine Gelegenheit aus, auf einen Bewusstseinswandel hinzuwirken. Als Stadtplanungsreferentin nutzt(e) sie ihren Einfluss auf die Wohnungsbaugesellschaften der Stadt München.


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Für neue Formen des Wohnens in der zweiten Lebenshälfte genügt Barrierefreiheit allein jedoch nicht. So können sich immer mehr 50plusler vorstellen, in einer Wohngemeinschaft* zu leben. Der Markt für die entsprechenden Wohnungen und Häuser wachse, so Thalgott an die Adresse der Wohnungsbauunternehmen:


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Thalgott ist überzeugt, dass es nur der adäquaten Strategie bedarf, um auch die Banken ins Boot zu holen.


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Bürogebäude, die vor 10 bis 20 Jahren errichtet wurden und heute oft keinen Mieter finden, zu SeniorenWGs umzubauen, wäre laut Thalgott der falsche Ansatz. Deren technische Ausstattung – nur wenige senkrechte Kanäle für sanitäre Einrichtungen – eignet sich in der Regel nicht und auch die Umgebung solcher Bürogebäude sei selten einladend.


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Ob SeniorenWG oder neue nachbarschaftliche Wohnformen auf der Basis solidarischer Netzwerke, wie sie etwa von der wogeno angeboten werden - wer für die zweite Lebenshälfte vorsorgen will, hat die Wahl.


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Thalgott rät Anhängern neuer Wohnformen jedoch zur Bildung von Netzwerken:


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Auch wenn Altbauten gerade bei SeniorenWG-Gründern höher im Kurs stehen, sieht Thalgott in Neubaugebieten wie dem Münchner Ackermannbogen bessere Voraussetzungen, um neue Wohnformen zu realisieren.


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*Zu Wohngemeinschaften für Demente in München hat die Stadt zusammen mit der Bayerischen Architektenkammer eine kostenlose Broschüre herausgegeben. Sie enthält Planungsanregungen für Architekten, Institutionen und Privatleute und klärt auf, welche Vereinbarungen, Leistungen, Verabredungen erforderlich sind.
Gegenüber der Süddeutschen Zeitung vom 30.7.07 wiederholte Prof. Thalgott, was sie bereits im Video-Interview mit Vision50plus.de zwei Jahre zuvor geäußert hatte: "Unsere Generation, die in den sechziger Jahren studiert hat, hat WG-Erfahrung". Daher sei es naheliegend, auch im Alter wieder in eine WG zu ziehen. In eine krankenhausähnliche Einrichtung, etwa in ein Pflegeheim, wolle sie auf gar keinen Fall.
-> Informationen zum Thema PflegeWG



Literaturhinweis:

Altengerechte Wohnquartiere
Stadtplanerische Empfehlungen für den Umgang mit der demografischen Alterung auf kommunaler Ebene

erschienen 2006 im Rahmen der "Dortmunder Beiträge zur Raumplanung: Blaue Reihe", ISBN 978-3-88211-157-6