Holger Adolph, Leiter Geschäftsst. Altenberichtskommission

"Seriöse Zahlen zur demografischen Entwicklung eröffnen den
Blick auf die Chancen der alternden Gesellschaft"


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"Älter sein" bedeutete vor 30 Jahren etwas ganz anderes als heute, das Augenmerk lag damals hauptsächlich auf den Defiziten des Alters. Heute findet man endlich zu einer differenzierteren Betrachtungsweise, so Holger Adolph bei einer Tagung Mitte September 06 in Tutzing. Man wisse heute, dass die ältere Generation zunehmend über Ressourcen verfüge, um in Belastungsmomenten Defizite auszugleichen. In den Vorausberechnungen für die Bedarfe in den kommenden Jahrzehnten würden diese wachsenden Fähigkeiten jedoch noch viel zu wenig berücksichtigt:


Video-O-Ton Holger Adolph


Adolph wirft der Politik vor, die Prognosen der Wissenschaftler in zumindest problematischer Weise zu nutzen. Niemand weise darauf hin, dass die Berechnungen häufig mit auf dem heutigen Niveau konstant gehaltenen Randbedingungen arbeiten. Heutige Pflegeprävalenzen (= Häufigkeiten von Pflegefällen in einer bestimmten Altersgruppe) würden mit der erwarteten Zahl von Menschen einer Altersgruppe multipliziert, ohne zu berücksichtigen, dass es in der Vergangenheit bereits zu Verbesserungen des Gesundheitszustandes im Alter gekommen ist und es auch wohl künftig weitere Verbesserungen geben werde:


Video-O-Ton Holger Adolph


Individuelle und gesellschaftliche Handlungsspielräume ergeben sich für Adolph aus folgenden Faktoren:
  • Ältere sind heute wesentlich gesünder als früher
  • Derzeit hat jeder neue Rentenjahrgang einen formal höheren Bildungsabschluss als der vorangehende
  • Ältere verfügen heute im Schnitt über eine bessere finanzielle Absicherung
  • Die familiären Beziehungen sind noch weitgehend intakt
  • Die Eltern der Babyboomer-Generation können noch auf hohes Unterstützungspotenzial zählen
  • Ältere fahren heute wesentlich länger Auto
  • Ältere haben mehr frei verfügbare Zeit

  • Bürgerschaftliches Engagement bietet nach Überzeugung Adolphs beste Voraussetzungen, Erfahrungen und Kompetenzen auch im Alter auszubauen. Ältere täten dadurch nicht nur etwas für andere, sondern auch für sich selbst.


    Video-O-Ton Holger Adolph



    -> 25. Oktober 2006: Fachtagung zum Thema
    "Herausforderungen des sozialen und demografischen Wandels:
    Generationen und Innovation"



    Zur Tagung in Tutzing sehen Sie auch unsere Seiten:
  • Frauen im Alter: durch neue Wohnformen finanzielle Defizite ausgleichen
  • Wohnen im Alter wird Leitthema
  • Pflege muss auch Thema der Männer werden


  • Weitere Themen und Referenten:
  • Unser Bild vom Alter: Lebensformen im Alter - Holger Adolph, Leiter d. Geschäftsstelle 5. Altenbericht der Bundesregierung, Berlin
  • Alter(n) und Geschlecht - Heike Skok, Leiterin der Geschäftsstelle des wohnbund e.V., München u. Vorstandsmitglied wogeno München eG
  • Erfahrungen und Anregungen aus einer WG 50- bis 65-Jähriger - Martemaria Scheunemann, München
  • Leben im Mehr-Generationen-Haus - Marlies Beitz, Vorstandsvorsitzende, WABE e.V., Stuttgart
  • Die SeniorenWG - Dorothea Hoffmeister, Wohnprojekt OLGA GbR, Nürnberg
  • Betreutes Wohnen - Sonja Thiele, SIMBA, Sozialdienst Germering e.V.
  • Senioren und Technik im häuslichen Alltag - Klaus Wuttig, Seniorenforschungsgruppe des interdisziplinären Projekts SENTHA, TU Berlin
  • Mobil und barrierefrei im öffentlichen Raum - Dipl.-Ing. Andrea Rau, TU Kaiserslautern
  • Engagement im Alter - Petra Hüttner, Senioren- und Stiftungsamt, Regensburg
  • Konkretes Engagement im Alter - Marita Gerwin, Seniorennetzwerk der Stadt Arnsberg + Rudi Schmid-Geiger, Jung und Alt gemeinsam, Gemeinde Amtzell


  • Literatur zur Veranstaltung:
  • Volker Schumpelick/ Bernhard Vogel (Hrsg.): Alter als Last und Chance
  • Generationen im Konflikt
  • Meinhard Miegel, Stefanie Wahl, Peter Hefele: Lebensstandard im Alter, Dt. Institut für Altersvorsorge, Köln 2002
  • Ulrike Jureit/ Michael Wildt (Hg.): Generationen
  • Ingrid Zundel: Kommunitarismus in einer alternden Gesellschaft
  • Ralph Skuban: Pflegeversicherung in Europa
  • Clemens Tesch-Römer, Andreas Motel-Klingebiel, Hans-Joachim von Kondratowitz: Lebensqualität im Alter