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KompAQt-Projekt München
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Individuelle Vermittlungslösungen für ältere Langzeitarbeitslose
35 % der Münchner Hartz IV-Empfänger dürfen seit November 2005 auf intensivere Betreuung hoffen. Sie sind älter als 50 und
länger als ein Jahr arbeitslos. Damit gehören sie zur Clientel des Projekts KompAQt, das im Auftrag der
ARGE München nach Beschäftigungsmöglichkeiten für 50plus sucht und passgenaue Fortbildung organisiert. Am 15. November 06 wurden die Erfolge
des ersten Projektjahres offiziell vorgestellt. Positiv verbuchte der stellvertretende ARGE-Geschäftsführer Jakob Grau dabei nicht nur die
177 Vermittlungen in den ersten Arbeitsmarkt. Es sei vielmehr auch gelungen, bei vielen Arbeitgebern das Interesse an älteren
Langzeitarbeitslosen zu wecken, also einen Mentalitätswechsel anzustoßen. Insbesondere inhabergeführte mittelständische Unternehmen - etwa 500 bis 600 - seien zu intensiven Gesprächen
mit dem Arbeitgeber-Service bereit. Bei Großunternehmen sieht Michael de Graat, Teamleiter des Arbeitgeber-Services, keine
Bereitschaft, den KompAQt-Schützlingen eine Chance zu geben, schränkt aber ein: "Teilweise haben diese Unternehmen eigene
Programme zur Weiterbeschäftigung von 50plus entwickelt."
Das Münchner Modehaus
Kandis u. KandisMann
hat gleich zwei Arbeitssuchende aus dem KompAQt-Projekt eingestellt. Mit beiden -
einer über 60-Jährigen im Verkauf und einer nur wenig jüngeren Bürokraft - ist die Gründerin Ann Dörr sehr
zufrieden. 50 Prozent ihrer Mitarbeiter haben die 50 bereits überschritten, ohne sich um ihre Anstellung sorgen zu müssen.
Die Designerin von "stilvoller Mode für Selbstbewusste ab 40" schätzt nicht mehr ganz Junge, weil sie "die Sprache der Kunden
sprechen, hochmotiviert und mit viel Eigeninitiative arbeiten, außerdem seltener krank sind". Ihre beste Verkäuferin ist 72 und denkt
wie sie selbst - Ann Dörr wird bald 65 - nicht ans Aufhören. Inzwischen stehen lediglich etwas weniger Stunden in ihrem
Wochenplan.
Gerne hätte Frau Dörr weiteren Hartz IV-Empfängern zu einer Stelle in ihrem Unternehmen verholfen, störte sich bei anderen
Bewerbern aber an der "ungünstigen Mischung von übersteigertem, aufgesetztem Selbstbewusstsein einerseits und zu wenig
echtem Selbstwertgefühl andererseits".
KompAQt-Projektleiterin
Sabine Urlberger-Wagner kennt dieses Problem: "Eine unserer
Hauptaufgaben besteht darin, unsere Kandidaten zu öffnen und zu einem Umdenken zu bewegen. Viele, gerade auch Akademiker, tun sich
schwer, sich für neue Aufgaben zu begeistern. Arbeitssuchende Architekten wären z.B. sehr gut als Facility-Manager zu vermitteln, können
sich mit diesem neuen Berufsbild jedoch kaum anfreunden."
Wer sich bei Ann Dörr flexibel zeigt, scheint es nicht zu
bereuen: "Unsere Verkäufer kommen alle aus anderen Berufen, z.B. der Architektur, andere sind Soziologen usw. Gerade wegen
dieses Hintergrundes fühlen sich unsere Kunden von ihnen so gut beraten."
Ann Dörr, die sich selbst als Streiterin für einen Mentalitätswandel weg vom Jugendwahn bezeichnet, wurde nicht zuletzt
deshalb am 5. Dezember 06 von Bundesarbeitsminister Müntefering als Unternehmerin mit Weitblick ausgezeichnet. Sie war vom KompAQt-Projekt
als Preisträgerin auserkoren worden. 61 weitere Beschäftigungspakte in einzelnen Regionen Deutschlands hatten ebenfalls eine bzw.
einen Kandidaten/in nach Fulda entsandt.
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