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Dr. Heribert Prantl, Süddeutsche Zeitung, Leit. Innenpolitik
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SchwarzRotGrau. Altern in Deutschland
Im Video-Interview mit Vision50plus.de spricht Dr. Heribert Prantl, (Mit)Herausgeber des Buches, über "organisierte Entwürdigung der Alten", aber auch über phantasievolle
Ansätze, die ein erfülltes Altern in Würde ermöglichen könnten.
Herr Dr. Prantl,
welchen Bezug haben Sie selbst zum Thema 'Pflege'?
Dr. Heribert Prantl antwortet im Video (bitte anklicken) (1 Min. 40 Sek.)
In Ihrem Buch ist die Rede vom Abwickeln des Restlebens alter Menschen, von organsierter Entwürdigung der Alten in Pflegeheimen,
in denen die Pfleger selbst kaum leben wollten. Unter ständigem Druck bleibe vielen Mitarbeitern dort nur die Zeit, sich um die nötigsten physischen Bedürfnisse
Pflegebedürftiger zu kümmern. Einfühlsame Gespräche gälten als unfinanzierbare "Kaviarleistung". Mit einer Geschichte der Gebrüder Grimm halten Sie dagegen -
fehlt Ihnen der realistische Blick für die Kosten der Pflege, die uns nach Ansicht vieler, insbesondere junger
Menschen bald erdrücken werden? Ist Pflege, wie etwa Claus Fussek sie fordert, nicht zu teuer?
Dr. Heribert Prantl antwortet im Video (bitte anklicken) (1 Min. 46 Sek.)
Angehörige, die Beruf und Pflege miteinander verbinden müssen, sehen oft keinen anderen Ausweg, als sich im Graubereich Hilfe zu holen.
Osteuropäerinnen* kommen jeweils 3 Monate in die Familien und kümmern sich für etwa 1300 Euro bei freier Kost und Logis um den
Pflegebedürftigen, angeblich als selbstständige Pflegerinnen...
Dr. Heribert Prantl antwortet im Video (bitte anklicken) (23 Sek.)
Teilweise sind diese Helferinnen aus Osteuropa rund um die Uhr für die Versorgung zuständig - eine Belastung, die man
keiner inländischen Hilfe zumuten würde. Tragen derartige Verhältnisse nicht Züge von moderner Sklaverei?
Dr. Heribert Prantl antwortet im Video (bitte anklicken) (53 Sek.)
Um weder auf Pflege im Graubereich noch auf Heime setzen zu müssen, besinnen sich immer mehr Menschen auf das
Modell der Wohngemeinschaft.
Angehörige von Pflegebedürftigen schließen sich zusammen, gründen eine WG und finanzieren zusammen ganz legale Pflegekräfte.
Je nach Konstruktion werden sie dadurch allerdings zu Arbeitgebern mit allen Rechten und Pflichten. Vor dieser Rolle schreckt
so mancher "kleine Mann" zurück...
Dr. Heribert Prantl antwortet im Video (bitte anklicken) (1 Min. 30 Sek.)
"Wir brauchen einen Mentalitätswechsel, mehr Phantasie" - Sie sagen das so leicht dahin! Allein die Vorstellung, sich mit Gesetzen plagen müssen,
raubt Otto Normalverbraucher den Mut zu neuen Wegen. Nicht jeder ist wie Sie als Jurist in der Lage, sich gegen juristische
Winkelzüge zur Wehr zu setzen!
Dr. Heribert Prantl antwortet im Video (bitte anklicken) (1 Min. 24 Sek.)
Brauchen wir vielleicht - analog zu schärferen Schutznahmen für Kleinkinder - neue Paragraphen, um hilflose Pflegebedürftige in privaten WGs zu schützen? Sollte hier die vom Grundgesetz garantierte
Unverletzlichkeit der Wohnung zurücktreten, um staatliche Kontrollen auch im privaten Bereich zu ermöglichen?
Dr. Heribert Prantl antwortet im Video (bitte anklicken) (1 Min. 17 Sek.)
So mancher hegt Zweifel, ob das möglich ist, angesichts der rapide steigenden Zahl von Pflegebedürftigen, die uns
vorhergesagt wird. Holger Adolph, Leiter der
Geschäftsstelle des 5. Altenberichts, weist jedoch darauf hin, dass dieser massive Anstieg
keineswegs unabwendbar ist. Viele Fälle von Pflegebedürftigkeit seien durch entsprechende Maßnahmen zu vermeiden...
Dr. Heribert Prantl antwortet im Video (bitte anklicken) (2 Min. 5 Sek.)
Woran denken Sie?
Dr. Heribert Prantl antwortet im Video (bitte anklicken) (45 Sek.)
Doch die Verhältnisse, die sind nicht so...
Dr. Heribert Prantl antwortet im Video (bitte anklicken) (2 Min. 4 Sek.)
Dieses Sich-selbst-neu-erfinden wird nur denjenigen gelingen, die sich nicht nur körperlich, sondern auch geistig fit halten.
Um dies auch weniger Wohlhabenden zu ermöglichen, wird im 5. Altenbericht vorgeschlagen, weniger die Anhäufung finanzieller
Rücklagen zu fördern und dafür die Bildung von Humankapital zu subventionieren, also etwa Vorsorgeaufwendungen für
(Weiter)Bildung auch ohne berufliche Notwendigkeit zu akzeptieren...
Dr. Heribert Prantl antwortet im Video (bitte anklicken) (1 Min. 20 Sek.)
(Das Video-Interview wurde am 17. Januar 2008 aufgezeichnet.)
*Vgl. dazu Sven Loerzer am 12. März 2008 in der Süddeutschen Zeitung:
"Mobile Reserve. Die illegale Konkurrenz aus Osteuropa droht den Markt für Pflegedienste dramatisch zu verändern."
Fakten und Argumente aus der SZ-Podiumsdiskussion zum Thema am 21.4.08 im Rahmen der ARD-Themenwoche 'Mehr Zeit zu Leben'
Moderation: Sybille Giel (BR-Hörfunk)
Diskussionsteilnehmer:
Dr. Hans-Jochen Vogel
Claus Fussek, Pflegekritiker
Nina von Hardenberg, SZ-Redakteurin und Mitherausgeberin des Buches 'Schwarz Rot Grau' (s.o.)
Bernd Meurer, Präsident des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste (bpa)
Susanne Tatje, Demografiebeauftragte der Stadt Bielefeld
Einspielbeiträge des Bayerischen Fernsehens zu folgenden Themen:
Begegnung zwischen Jung und Alt durch
Kindergarten in Seniorenwohnanlage
neues
GEWOFAG-Wohnprojekt in München arbeitet nach dem Bielefelder Modell; Ansprechpartnerin ist
Gisela Heinzeller vom Arbeiter-Samariter-Bund (ASB)
Dienstleistung und ortsnahe RundumVersorgung/ Ein DORV im Dorf-Konzept (Jülich-Barmen);
Ansprechpartner ist Initiator Heinz Frey
Mobile Werkstatt Hasenbergl (München-Nord);
Ansprechpartner ist Dr. Jürgen Nestel
Ausgewählte Diskussionsbeiträge:
Unsere Gesellschaft hat würdevolle Arbeitsbedingungen für Pflegekräfte zu schaffen; mehr Achtung und bessere Entlohnung der
Pflegekräfte führten zu besserer Pflege (Vogel)
Wenn Altenpfleger das Image von Knut's (Eisbär) Pfleger hätten, wäre schon viel geholfen! (Fussek)
Vielen Heimleitern fehlt die Fähigkeit,
eine Frittenbude zu leiten (Fussek)
Beruf des Heimleiters ist bis heute nicht definiert; als Heim- und Pflegedienstleiter braucht man Management-Qualitäten (Meurer)
Forderung nach Prüfinstrumenten,
die selbst transparent sind und eine Vergleichbarkeit erlauben (Meurer)
Ein gutes Heim erkennt man daran, dass es offen ist, sich etwas tut, abends auch mal ein Schnäpschen getrunken werden darf
und man dann halt um 9 aufstehen kann - warum nicht? (Fussek)
Wenn ich in meinem Beruf tagtäglich Menschen einschätzen muss, werde ich doch auch in der Lage sein, den Geist eines Pflegeheimes
zu erkennen, wenn ich mich z.B. als Angehöriger dort umschaue (Meurer)
Auffällig schlechte Pflegeheime endlich schließen! (Fussek)
Bürgermeister sollten nicht nur Sommerfeste des örtlichen Pflegeheims besuchen, sondern gelegentlich in der Frühschicht, nachts oder
am Wochenende vorbeischauen; wenn dann nur 2 Pflegekräfte 28 Pflegebedürftige zu versorgen haben, erkennt jeder ohne Einbindung der
Heimaufsicht, dass Handlungsbedarf besteht; alle müssen hinschauen! (Fussek)
Ehrenamtliche können tolle Atmosphäre in einem Pflegeheim schaffen; ein Heimleiter hat z.B. eine ältere Dame auf 400€-Basis
engagiert, um Pflegebedürftige in Ruhe zu füttern - die Frau erzählte den Heimbewohnern den Tratsch aus dem Ort und brachte
Leben in die Bude! (Fussek)
Ehrenamtliche Mitarbeit ist im Bielefelder Modell ausdrücklich erwünscht (Tatje)
Bielefeld gehört ja nun nicht zu den reichsten Kommunen des Landes und hat es trotzdem geschafft, ein solches Modell
auf die Beine zu stellen (Vogel)
Eine Demografiebeauftragte ist zuständig für alle Politikfelder; bekommt Vorlagen aller Ressorts auf den Schreibtisch;
ihre (meine) Arbeit wird geleitet von der Frage: Was müssen wir in der Kommune tun, damit ältere Menschen möglichst lange
in ihrer Umgebung bleiben können? (Tatje)
Jede Kommune kann heute damit anfangen, die Rahmenbedingungen für ein würdiges Altern zu schaffen - diese Fragen
zur Chefsache machen! (Fussek)
Wir brauchen Menschen, die den Behörden ständig auf den Wecker gehen. In Bielefeld sind viele Akteure beteiligt. Alle können
fragen: Was kann ich tun? Jeder Einzelne kann auch dazu beitragen, dass sich die Sicht auf das Alter ändert (Tatje)
Man müsste nicht immer "man" sagen, sondern genau adressieren, "wer" etwas tun soll! Ich habe früher immer mein Adressbüchlein gezückt
und wollte genau wissen, wen ich denn unter "M" eintragen kann, um den "man" ausfindig zu machen, von dem immer die Rede ist (Vogel)
Wir Älteren müssen uns vorbereiten auf eine vernünftige Diskussion mit den Jüngeren über notwendige strukturelle Reformen!
Nicht Kriegsparolen folgen, nur die Jüngeren vielleicht gelegentlich daran erinnern, dass sie auch einmal alt werden... (Vogel)
Die Podiumsdiskussion wurde vom Bayerischen Fernsehen aufgezeichnet und am 26. April um 22.30 Uhr von BR Alpha ausgestrahlt.
Unsere Berichterstattung zu weiteren Aspekten der ARD-Themenwoche:
'Mythos Großfamilie'
Die ARD-Sender BR alpha, WDR- und Südwest-Fernsehen zeigten im Rahmen der Themenwoche 'Mehr Zeit zu leben'
ein breites Spektrum der Möglichkeiten eines generationenübergreifenden Zusammenlebens. Zu Gast war die Soziologin und
Familienforscherin Prof. Dr. Uta Meier-Gräwe,
die u.a. auf den Bedarf an entsprechend größeren Wohnungen hinwies.
Wer kann sich Pflege mit Würde leisten?
Hartaberfair-Moderator Frank Plasberg diskutierte mit Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt, Axel Hölzer, dem Vorstandsvorsitzenden
der Marseille-Kliniken, dem Schauspieler Peer Augustinski, dem Altenpfleger Martin Bollinger und dem Journalisten
Gottlob Schober über Missstände in der heutigen Pflege und über Wege zu einem
würdigen Umgang mit pflegebedürftigen Menschen.
-> mehr zur Sendung
-> ARD-Infos zum Thema Pflege
'Alt sein auf Probe'
So der Titel einer Dokumentation von Sven Kuntze (66), die am 21. April von der ARD ausgestrahlt wurde.
Kuntze, bis zum Renteneintritt Auslandsreporter, Moderator und leitender Redakteur der ARD, zog für sieben Wochen
in ein Seniorenhaus und traf dort sowohl Menschen, die mit dem Verlust an Selbstständigkeit nur schwer zurecht kommen, als
auch andere, die sich endlich frei fühlen von einer langjährigen Last der Verantwortung.
Auftakt zur ARD-Themenwoche:
"Schatz an Erfahrung und Wissen Älterer wieder entdecken!"
In der Diskussionsrunde Berliner Gespräch appellierte Bundesfamilienministerin
Ursula von der Leyen an Gesellschaft und Wirtschaft in Deutschland, die Potenziale Älterer zu nutzen. Sie rief erneut dazu auf,
die Herausforderungen des demografischen Wandels als Anreiz zu begreifen, um neue Exportschlager zu entwickeln: Attraktive Produkte und
Dienstleistungen, die bald von vielen anderen alternden Gesellschaften in der Welt nachgefragt würden. Sonst ergriffen andere
die Chance. Japan
etwa warte nicht, bis man hierzulande aufwache.
Sehen Sie dazu auch:
Idee des Dienstbotenheims Öschberg im Schweizer Kanton Bern
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