Sabine Sautter, Projektleiterin* 'Kulturführerschein in Bayern'

Durch freiwilliges Engagement
anderen die Teilhabe am kulturellen Leben ermöglichen


(Filmsymbol für Video-O-Töne bitte anklicken)

Wo warten sinnvolle Aufgaben, wenn die Kinder flügge werden oder die Zeit der Berufstätigkeit zu Ende geht? Heute 60-Jährige haben die 68iger-Zeit miterlebt, teils mitgeprägt. Traditionelle Ehrenämter sind für sie nicht mehr attraktiv. Diese Generation möchte - unabhängig von individuellen politischen Einstellungen - auch im "Dritten Lebensalter" frei und selbstbestimmt gestalten. Evangelische Erwachsenenbildung und Diakonie wollen das freiwillige Engagement dieser Menschen durch Fortbildungsprojekte wie den 'Kulturführerschein' unterstützen, so dass ihre Tatkraft und ihre Ideen dem gesellschaftlichen Leben erhalten bleiben.

Der Kulturführerschein setzt an der Schnittstelle von Sozialem und Kultur an. Über 50-Jährige können in diesem Projekt verschiedene Möglichkeiten kulturellen Engagements kennenlernen. Die Kursteilnehmer erhalten methodisches "Handwerkszeug", um ihre eigenen Ideen, andere für Kultur zu begeistern, umzusetzen. Sie erfahren z.B., wie ein "Museum im Koffer" zusammenzustellen ist oder wie sie eine Theatervorstellung mit Menschen besprechen können, die bisher keinen Zugang zum Theater hatten.

Der Kurs zum Kulturführerschein umfasst 10 Seminartage und 6 Exkursionen. Hinzukommen zwei von den Teilnehmern selbst gestaltete kleine Veranstaltungen. Anschließend wird der Führerschein im Rahmen einer feierlichen Veranstaltung verliehen. Im Vorfeld der Feier für den 5.Kursjahrgang 2006 sprach Vision50plus.de mit Sabine Sautter, der *damaligen Projektleiterin des Kulturführerschein(s)in Bayern:


Frau Sautter,
was vermitteln Sie im Rahmen des 'Kulturführerscheins'?




Sabine Sautter antwortet im Video
(21 Sek.)


Wie kam man auf die Idee zu diesem Projekt?



Antwort im Video
(39 Sek.)


Was erlaubt dieser 'Führerschein'?



Antwort im Video
(41 Sek.)


Worauf kommt es Ihnen dabei besonders an?



Antwort im Video
(46 Sek.)


Hätten Sie noch weitere Beispiele für ein Engagement von Kulturführerschein-Inhaber(inne)n?



Antwort im Video
(42 Sek.)


Angenommen, ein Absolvent stößt später bei einem eigenen Projekt auf Probleme, kann er sich dann wieder an Sie wenden?



Antwort im Video
(36 Sek.)


Bleiben wir beim Thema 'Kosten' - ist die Teilnahmegebühr denn für alle Interessenten erschwinglich?



Antwort im Video
(16 Sek.)


Zur Hürde wird eher ein Mangel an Einsatzbereitschaft, die sich in einem Vorgespräch mit den Bewerbern zeigen muss. Sie verlangen ernsthaftes Engagement, denn die Kursgebühr deckt die tatsächlichen Kosten ja bei weitem nicht. Woher bekommen Sie die nötigen Gelder?



Antwort im Video
(37 Sek.)


Wenige Minuten vor Beginn der Veranstaltung fasste der Festredner Dr. Reinhold Knopp von der Fachhochschule Düsseldorf gegenüber Vision50plus.de zusammen, worin er die Bedeutung des Kulturführerscheins sieht. Knopp, der angehende Sozialarbeiter ausbildet und den Vertiefungsschwerpunkt 'Sozialarbeit im Altenbereich' anbietet, orientiert sich dabei seit einiger Zeit an den Ressourcen älterer Menschen, anstatt wie früher auf Defizite wie Demenz und Pflege abzustellen. Die Förderung dieser Ressourcen ist eng mit dem Zugang zu Kultur verknüpft, so Knopp.

Herr Dr. Knopp,
warum spielt die Kultur auch hier eine so bedeutende Rolle?




Dr. Reinhold Knopp antwortet im Video



Der Kulturführerschein liegt Ihnen noch aus einem anderen Grund am Herzen...



Dr. Knopp antwortet im Video



Eine Ihrer Thesen lautet: Je mehr man über fremde, aber auch über die eigene Kultur weiß, desto eher ist man in der Lage, sich in Konfliktsituationen mit seinem Gegenüber zu verständigen.
Wenn Sie das etwas näher ausführen könnten!




Dr. Knopp antwortet im Video



Vor Beginn von Dr. Knopps Festvortrag zum Thema "Mehr Kultur! Die wachsende Bedeutung von Kultur in der Zivilgesellschaft" sprachen wir außerdem mit Jürgen W. Heike, Staatssekretär im bayerischen Sozialministerium. Heike erläuterte, warum sein Ministerium den Kulturführerschein unterstützt.


Herr Staatssekretär,
Ihnen liegt insbesondere an einem Austausch zwischen jüngerer und älterer Generation. Was kann der 'Kulturführerschein' diesbezüglich leisten?




Staatsekretär Jürgen W. Heike antwortet im Video
(18 Sek.)


Wenn Sie dies noch etwas näher ausführen könnten...



Staatssekretär Heike antwortet im Video
(29 Sek.)


Blieb noch die Frage an die neuen Kulturführerschein-Inhaberinnen, was sie während des mehrmonatigen Kurses "gelernt" haben. Stellvertretend für den Kurs des Jahres 2006 antwortete Heidi Brunke. Die Lehrerin, die ihr Berufsleben in Altersteilzeit langsam ausklingen lässt, schilderte z.B., wie sie zum Biografieschreiben angeleitet wurde:



Heidi Brunke antwortet im Video



So sehr sie die fachliche Anleitung schätzte, fast noch wichtiger war Heidi Brunke die moralische Unterstützung:



Heidi Brunke antwortet im Video



Ingeborg Ott, die seit vielen Jahren den Münchner Zeitschreibern* angehört, beweist diesen Mut in zahlreichen Veranstaltungen. Im Rahmen dieses Projekts, das ebenfalls vom Evangelischen Bildungswerk München verantwortet wird, sich aber im Gegensatz zum Kulturführerschein allein auf das Schreiben konzentriert, besucht Ingeborg Ott Schulen, kirchliche Gruppen, Frauen- oder Ausländergruppen und kommt über selbst verfasste biografische Geschichten mit den Menschen dort ins Gespräch. Sie erinnert sich etwa an eine Lesung zum Thema Flucht:



Ingeborg Ott im Video: ...Eine ganz ungezwungene Form der Integrationsarbeit...




Vgl. zum Thema auch: Modellprojekt "Selbstorganisation älterer Menschen"


*Zum Thema 'Biographische Arbeit': www.christian-duelli.de