Prof. Götz Werner, Gründer u. GF, Drogeriemarktkette dm

"Ein garantiertes Grundeinkommen
würde unseren Umgang miteinander völlig verändern!"


(Filmsymbol für Video-O-Töne bitte anklicken)

Wenn unsere Gesellschaft immer älter wird, werden wir uns künftig länger aktiv einbringen müssen. Müssen? Niemand könnte uns davon abhalten, wir wollten gestalten und dadurch uns selbst Ausdruck verleihen, wenn nur die Verhältnisse andere wären! Davon ist Prof. Götz Werner überzeugt und wirbt unermüdlich für ein garantiertes Grundeinkommen, das diese dem Menschen innewohnende Gestaltungsfreude erst freisetze. Getreu nach seiner Devise „Beharrlich im Bemühen, bescheiden in der Erfolgserwartung“ setzt er auf kleine Schritte hin zum Umgang auf Augenhöhe. Im Video-Interview mit Vision50plus.de erläuterte Werner die Zusammenhänge zwischen "Dialogischer Führung", Grundeinkommen und einer Kultur der Innovation.

Was kann ein Chef dafür, wenn sich seine Mitarbeiter mit 50 ausgelaugt fühlen und nur noch von einer möglichst schnellen Pensionierung träumen? Werners Antwort: Der Chef selbst könnte mit seinem Führungsverhalten dazu beigetragen haben. Ob jung oder alt, jeder Mitarbeiter wolle ernst genommen werden, leide bei Missachtung dieses Bedürfnisses und blühe auf, wenn man ihn auf Augenhöhe anspreche (-> "Dialogische Führung):


Video-O-Ton Prof. Werner


Utopie? Werner bestreitet, dass sich das Prinzip der Dialogischen Führung nur unter äußerst günstigen Rahmenbedingungen praktizieren lässt:


Video-O-Ton Prof. Werner


Die Ergebnisse kümmern sich also quasi um sich selbst, wenn man sich um die Menschen kümmert? Werners Erklärung leuchtet jedem Marketingexperten ein:


Video-O-Ton Prof. Werner


Ohne ein Grundvertrauen in den anderen kommt diese Art der Führung nicht aus. Hat der eherne Grundsatz "Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser" ausgedient? Zu wünschen sei es, denn er führe zu völlig falschen Verhaltensweisen, meint Werner und zitiert den Freiherrn vom Stein: "Zutrauen edelt den Menschen, ewige Vormundschaft hemmt sein Reifen." Menschen seien auch nicht zu dressieren wie Hunde, denen man die Wurst immer ein Stück höher hänge. Wer Zielvorgaben immer weiter nach oben schraube, provoziere nur Manipulation.


Video-O-Ton Prof. Werner


Nach Werners Auffassung schreiben wir in der Arbeit unsere eigene Biografie.


Video-O-Ton Prof. Werner


Wer sich in seiner Arbeit nicht wiederfinde, solle nach seiner Bestimmung suchen, wie man ja auch für eine eingehende Zimmerpflanze mehr Licht suche. In seiner lebenslangen Selbsterziehung müsse sich jeder Mensch immer wieder fragen: Wo ist mein Platz? Was entspricht meinem Lebensentwurf? Ein Arbeitsplatz dürfe nicht nur "Einkommensplatz" sein. Arbeit also nicht zur Sicherung der eigenen Existenz?


Video-O-Ton Prof. Werner


Wenn aber Einkommen die Arbeit erst ermögliche, leuchte die Idee eines garantierten Grundeinkommens unmittelbar ein. Grundeinkommen nicht als die Möglichkeit, die Hängematte aufzusuchen und nie mehr daraus aufzustehen, sondern Grundeinkommen als Voraussetzung dafür, überhaupt in der Gesellschaft tätig werden zu können. Dann gehe es nicht mehr um die Frage: Was kriege ich?, sondern darum, welchen Sinn man der eigenen Arbeit zumisst. Sinnmaximierung statt Einkommensmaximierung. Von einem solchen durchgreifenden Wandel profitierte das einzelne Unternehmen wie auch die ganze Gesellschaft.
Selbstverständlich sei der Schalter nicht von heute auf morgen umzulegen.


Video-O-Ton Prof. Werner


Nach der eigenen Berufung suchen, um sich engagiert mit seinen Fähigkeiten einbringen zu können - auch ein Appell an ältere Berufstätige?


Video-O-Ton Prof. Werner


Ein garantiertes Grundeinkommen bedeute keineswegs Gleichmacherei. Besondere Ansprüche seien damit nicht zu finanzieren, aber:


Video-O-Ton Prof. Werner


Kann die Idee eines garantierten Grundeinkommens auch in einer globalisierten Welt funktionieren?


Video-O-Ton Prof. Werner


Prof. Götz Werner - der kapitalistische Gegenentwurf zu Dagobert Duck, wie eine Zeitung ihn einmal nannte?

Video-O-Ton Prof. Werner



Buchtipp
Götz W. Werner: Ein Grund für die Zukunft: das Grundeinkommen, August 2006

Vgl. auch
  • Der bessere Discounter
    Die Drogeriemarktkette dm setzt auf flache Hierarchien und eine Kultur der Eigenverantwortung
    Süddeutsche Zeitung vom 9. April 2008
  • Wolfgang Engler: Unerhörte Freiheit
    Arbeit und Bildung in Zukunft
    Aufbau Verlag 2007
  • Lutz Lichtenberger: Bürger nur mit Schulabschluss
    "Unerhörte Freiheit": Der Soziologe Wolfgang Engler nennt Bedingungen für das bedingungslose Grundeinkommen
  • Bernd Rasche: Muss Arbeit wirklich weh tun?
    Ein Plädoyer für mehr Freiheit am Arbeitsplatz
    Süddeutsche Zeitung vom 28./29.4.07
  • Interview von Nina Bovensiepen mit dm-Chef Götz Werner:
    "Kein Zwang zur Arbeit"
    Süddeutsche Zeitung vom 10.1.07


  • Ein Grundrecht auf Kredit fordert der Friedensnobelpreisträger und Wirtschaftsprofessor Muhammad Yunus, der seit 30 Jahren seinen bettelarmen Landsleuten in Bangladesch Kleinkredite ohne Sicherheit gewährt, um den Unternehmergeist in ihnen zu wecken. Anfangs hatte man ihn belächelt, inzwischen wurde sein Modell einer Bank für Arme weltweit tausendfach kopiert. Yunus ist seit langem Mitglied der Ashoka-Stiftung. Dieses Netzwerk fördert Sozialreformer, die Menschen nicht "versorgen", sondern durch Starthilfe ermuntern wollen, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen.
    Im März 2008 soll Yunus' Programm als Buch mit dem Titel "Die Armut besiegen" im Hanser Verlag erscheinen.